Heimweh & Fernweh

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Plötzlich ist es da! Ich bin selber überrascht; dieses Gefühl kannte ich bis anhin nicht und nun hat’s mich erwischt: Ich habe Heimweh! Irgendwie fällt es mir sogar schwer, das zuzugeben, das klingt so nach Weichei! Ich bin immer gerne unterwegs um neue Länder zu entdecken, Menschen und fremde Kulturen kennen zulernen.

Niemals habe ich bereut, dass ich den Job gekündigt und die Wohnung verkauft habe; dieser Kreis ist endgültig geschlossen. Seit Februar nun bin ich auf Reisen unterwegs und seit Juli etwas sesshaft in Kapstadt geworden. Und wahrscheinlich ist das genau der springende Punkt. Lange habe ich darüber nachgedacht, warum ich ausgerechnet jetzt, nach 8 Monaten  Heimweh habe. Es ist ein leises, aber ständig vorhandenes Gefühl. Seit etwa zwei Wochen; mal stärker, mal weniger. Ich analysiere mich quasi selber und langsam komme ich dem Phänomen auf die Spur:

Zuerst die Frage, was genau die Motivation des Reisens ist. Auf google habe ich ein paar interessante Thesen gelesen und es gibt unterschiedliche Gründe:

  • Flucht aus dem Alltag
  • Reisen für die „psychische Hygiene“
  • Reisen zum Zweck von Gemeindschafts- und Transzdentenzerfahrung
  • Reisen als Selbstveränderung und frei von sozialen Verpflichtungen
  • Imaginäre Welten entdecken
  • Reisen wegen Wunsch nach Verwandlung

U.v.m.  Hmmm… und in welche Kategorie gehöre ich nun? Irgendwie finde ich mich da nirgends. Diese Aussagen sind mir zu vague und auch zu pauschal. Die Welt wird immer mehr zu einem Dorf. Eine Weltreise unternehmen? Ja, bitte! Kein Problem. Mit etwas Planung kann man zwischen 4 Wochen und 4 Jahren so eine aroundtheworld Reise machen.

Eine Reise in mich selbst

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Bei mir hat sich die Reise eben spontan ergeben, weil es das perfekte Timing war, als ich die Wohnung verkauft habe. Während dieser Reise bin ich zu Erkenntnissen gelangt, die ich sonst nicht gemacht hätte. „Eine Reise in mich selbst“ – klingt für mich zwar ein wenig zu abgehoben und esoterisch, ist dennoch etwas Wahres dran.

Kapstadt habe ich ins Herz geschlossen – keine Frage. Ich habe auch in kürzester Zeit gute Freunde kennengelernt. Dennoch, kann ich hier vorläufig nicht bleiben, es passt einfach nicht (oder noch nicht). Es ist nicht alles so, wie es scheint. Ich kann mich nicht so frei bewegen, wie ich es gewohnt bin. Die Menschen hier merken schon gar nicht, wie paranoid sie leben, in Begleitung einer ständig unbewussten Angst, dass sie überfallen oder gar ermordet werden. Der Rassismus ist auch noch längstens nicht vom Tisch – nur spielt sich alles hinter vorgehaltener Hand ab. Ein Tourist bemerkt wohl kaum etwas davon. Ich will auch nicht werten; ich bin hier nicht aufgewachsen. Doch ich kann sehr wohl entscheiden, ob es für mich das Richtige ist oder nicht. Dieses unfreie Leben hier ist auch der Auslöser meines Heimwehs, da bin ich mir ziemlich sicher. Andererseits erlebe ich hier eine andere Art von Freiheit, die ich zu Hause wiederum nicht kenne. Es gibt viel weniger Normen; die Menschen hier haben generell eine ansteckende Fröhlichkeit und vieles im Alltag ist einfach unkomplizierter. Abgesehen von der erwähnten Einschränkung fühle ich mich sonst immer noch sehr wohl hier.

Gratwanderung zwischen Heimweh und Fernweh

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Das Reisen macht mich bescheiden! Und ich weiss es jetzt schon: wenn ich zu Hause bin, wird mich sicher wieder das Fernweh packen. Wenn ich im Internet die News aus der Schweiz und Europa lese, mit den entsprechenden Kommentaren, kommt mir manchmal regelrecht das Kotzen. 99 % davon ist Jammern auf höchstem Niveau! Manchmal packt mich auch die Wut über diese Sesselfurzer und über das kleinliche Denken. Frei zu Leben zählt für mich zu den wichtigsten Grundwerten überhaupt. Viele wissen gar nicht, was genau das bedeutet und vielen ist gar nicht Bewusst, von welchem Wohlstand sie in der Schweiz – aber auch in Europa umgeben sind. Obwohl, es sind ja längstens nicht alle so und es gibt zu Hause auch viele Gleichgesinnte. Ich freue mich jedenfalls, bald wieder zurückzureisen. Ich vermisse die Freunde und Familie und viele Kleinigkeiten (ja, auch die Schokolade 😉 )

Nur blöd, dass ich im Moment gar kein zu Hause habe, kein Nest, keine Basis! Und genau diese Tatsache gibt mir manchmal das Gefühl von Heimatlosigkeit. Ich brauche ein Nest, wo ich wieder malen kann und wo ich mich zurückziehen kann. Ich bin keine Nomadin; ich habe nur eine Nomadenseele. Eine weitere Erkenntnis eben, die beim Reisen zum Vorschein kam.

Was ist nun Heimat?

Das Wort Heimat löst in mir nicht dieses sentimentale Gefühl aus, wie bei vielen. Heimat ist für mich dort, wo ich mich wohl fühle. Obwohl, ich kann es auch nicht verleugnen; ich bin nun mal in Europa aufgewachsen und ich kann nicht so tun, als ob mir das alles knapp am Arsch vorbei geht. Meine Wurzeln sind in Europa, wo ich frei aufgewachsen bin (also: so richtig frei ist man ja sowieso nie; aber du weisst sicher, wie ich das meine). So lange ich selber wählen kann, will ich auch weiterhin ein freies Leben führen. Weil ich auch noch den Südafrikanischen Pass habe, aber nie hier gelebt, leistete ich mir mit dem mehrmonatigen Aufenthalt in Kapstadt den Luxus, um herauszufinden, ob ich hier meine Zelte neu aufschlagen werde. Nun, prinzipiell ist es kein no-go; trotz den negativen Seiten, die ich gerade beschrieben habe; im Moment aber nicht der richtige Zeitpunkt.

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Geile Erfahrung, neue Erkenntnisse, und weiter geht’s!

Mein Aufenthalt in Kapstadt ist eine mega coole und spannende Erfahrung, die ich niemals missen möchte. Bald fliege ich zurück nach „good old Europe“. Mal schauen, wie und ob es dort weitergeht. Sobald ich mein Nest gefunden habe, kann ich wieder in die Ferne fliegen, mit dem Wissen, dass ich jederzeit wieder zurück kann. Ich habe auch schon einen Plan, doch ich verrate hier noch nichts – denn er ist noch viel zu vage.

Und nun erst mal Pause

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Und jetzt heisst es schon wieder „Beweg deinen Arsch“!  Es gibt viel zu tun und ich muss die Ärmel hochkrempeln: Neues Nest bauen, mein Geschäft richte ich neu aus und ich habe auch neue Projekte. Das bedeutet erst mal ganz viel Arbeit. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich hier eine längere Pause mache. Ich muss mich jetzt voll auf andere Dinge konzentrieren und zum Schreiben hier wird mir wohl die Zeit fehlen. Melde mich einfach sporadisch wieder! Nach wie vor kannst du mich kontaktieren wenn du willst; vor allem wenn du Fragen bezüglich Leben in Südafrika hast. Oder wenn du Tipps brauchst, wenn du dein Leben umkrempeln willst, so wie ich es gemacht habe. Ja, darin habe ich nun einige Erfahrungen 😉 obwohl das ja nie mein Plan war, es hat sich eben so ergeben.

Bis irgendwann später wieder und liebe Grüsse

Katrin

2 Antworten auf “Heimweh & Fernweh”

  1. Hallo Katrin, danke für die offenen und ehrlichen Worte. Der beschriebene Zwiespalt ist für mich total nachvollziehbar, letztlich war es bei mir irgendwie ähnlich. Trotzdem tut es weh zu sehen, das so viele in dieser doch so phantastischen Stadt nicht Fuss fassen können oder wollen….irgendwie ist er drin, der Wurm…. Aber dein kraftgebendes Argument zum vielleicht „falschen Zeitpunkt“ lässt hoffen! Ich wünsch Dir alles gute im neuen Nest…und mögen deine Pläne Realität werden! Bleib mutig und offen!!!

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    1. Hallo Mike, danke für deinen Input. Du bist also auch nicht in Südafrika geblieben? Ja, dieser Zwiespalt ist schon krass. Und jedesmal wenn ich mir sage, es geht schon irgendwie, kommen gleich wieder Zweifel: gerade heute hat mir ein Kollege vom Office erzählt, dass letzten Samstag zwei seiner Freunde überfallen wurden; nachts als sie die Bar verliessen, ziemlich übel, mit einem Steinwurf auf den Kopf, usw. Die Polizei wurde benachrichtigt, aber bis heute (2 Tage später) ist nichts passiert. Was mich gleichzeitig erstaunt ist die Tatsache, dass die Betroffenen trotz allem irgendwie easy damit umgehen -quasi es ist jetzt halt so, und wir müssen mit dieser Kriminalität leben! Hmmmm, ansonsten finde ich CT ja ebenfalls eine phantastische Stadt… Ich bin noch mindestens 4 Wochen hier, und ich schliesse nicht aus, dass ich bis dahin zu weiteren Erkenntnissen gekommen bin. Die Vorstellung, wieder in der Schweiz zu leben bereitet mir gerade Schnappatmung (trotz Heimweh… ).

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