Sicherheit und Alltag in Kapstadt

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Nach wie vor finde ich Kapstadt eine aufregende, vibrierende und bunte Stadt. Es wäre aber gelogen, wenn ich sagen würde, es sei alles Friede, Freude, Eierkuchen. Heute berichte ich einfach mal über ein paar Themen, die ich während des bisherigen Aufenthaltes wahrgenommen habe: Das ist natürlich höchst subjektiv.

Kapstadt – eine der schönsten Städte der Welt!

Diese Meinung teile ich nicht – obwohl man das immer wieder hört. Unter dem Begriff „schön“ verstehe ich etwas anderes; nämlich das gesamte Stadtbild. Kapstadt besteht aus vielen Stadtteilen und die sind wie eigenständige Orte (wie z.B. Green Point, Gardens, Woodstock, usw.), mit ihrer eigenen Dynamik. Es ist bestimmt diese Vielfalt, verknüpft mit den unterschiedlichsten Kulturen, die Kapstadt zu dem machen, was es ist. Dazu kommt die Umgebung, der Ozean, die Natur, das Essen, die Kreativität, das Hinterland mit den Winelands – das alles trägt dazu bei, dass Kapstadt eine der coolsten Städte der Welt ist. Mit dieser Aussage bin ich eher einverstanden.

Sicherheit und Kriminalität in Kapstadt

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Eine der am meist gestellten Fragen von Europäern, die Kapstadt zum ersten Mal besuchen oder sogar hier leben möchten, bezieht sich auf die Sicherheit. Auch ich habe mich auf google darüber informiert, bevor ich hierher kam. Nun gebe ich also auch noch meinen Senf dazu (ist jedoch nicht als eine Empfehlung zu verstehen; ich spreche nur von mir, wie ich es empfinde und wie ich mich verhalte):

Kapstadt hat eine hohe Kriminalitätsrate und es geschehen auch viele Morde hier. Dies jedoch vorwiegend in den Townships, wo ich mich natürlich eh nicht aufhalte.

Ich bin nun seit bald 3 Monaten hier und habe mich kein einziges Mal unsicher oder gar bedroht gefühlt. Da gibt es Orte, wo man sich unbeschwert tagsüber bewegen kann. Wenn es dunkel ist, sollte man sich draussen nicht alleine bewegen, als Frau schon gar nicht. Nun ja; stimmt schon – wobei  in den „sicheren“ Orten wie Green Point oder Sea Point und sowieso an der Waterfront ist es nicht so arg! Ich selber bin auch ab und zu alleine unterwegs wenn es schon dunkel ist. Bewaffnet bin ich mit einem Pfefferspray, den ich allerdings nie griffbereit habe (ich weiss was du jetzt denkst: das ist nicht besonders intelligent – und ich gebe dir auch vollkommen recht!) Andererseits will ich  auch nicht mit der ständigen Angst im Nacken durch die Strassen ziehen und hinter jeder Hausecke einen Verbrecher vermuten. Natürlich gibt es auch Orte, wo ich nachts bestimmt nie alleine unterwegs sein werde. Meine Ansicht ist: Hat man Angst, wird es auch passieren. Aber man soll auch nichts provozieren und leichtsinnig sein. Irgendwie halt etwas dazwischen.

Diebstahl und Taschendiebstahl sind eigentlich in jedem Stadtteil ein Thema.  Das ist aber bei den meisten grösseren Städten weltweit der Fall. Also: die teure Rolexuhr und der Diamantschmuck bleiben im Safe! 😉 Die restlichen Wertsachen, die man auf sich trägt sind auf ein Minimum beschränkt und die Taschen sind geschlossen. Letztes Jahr wurde mir in Kapstadt ein Handy geklaut – ich hatte es im Aussenfach meines Rucksacks. Ist auch zu dumm von mir. Allerdings befand sich das Gepäck  im Storage-Raum des Hotels und ich habe mich deshalb gar nicht weiter darum gekümmert (ja ich weiss, ist leichtsinnig von mir und nachträglich ist man immer gescheiter).  Das Handy wurde von einer Angestellten geklaut (konnte man nachträglich auf dem Video sehen).

Gegensatz zwischen Arm und Reich

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Ja, dieser Gegensatz ist wirklich krass! Es bereitet mir immer noch Mühe damit umzugehen. Wenn ich mit Uber zum Office fahre, sehe ich unterwegs immer wieder Obdachlose. Sie schlafen auf Wiesen, sind zugedeckt mit schmuddligen Decken oder Kartons.

Im Moment bin ich etwas hin und her gerissen: In der Schweiz (und auch mehrheitlich in Mitteleuropa) herrscht der Mittelstand. Es gibt reichere und es gibt ärmere Menschen, aber nicht diesen Kontrast. Es bewegt sich quasi alles in einer Grauzone. Was ist nun besser? Leben mit bunten Gegensätzen oder im grauen Alltag mit all seinen Nuancen, mal hell- mal dunkelgrau? Ein graues Leben bedeutet mehr Sicherheit, aber auch mehr Normen: Sobald ein bunter Vogel auffällt, ist er in der Gesellschaft erstmal schon irgendwie verdächtig. Das wiederum gefällt mir hier in Kapstadt: Die Menschen kümmern sich nicht um die anderen und jeder bewegt sich so, wie es ihm gefällt.

Easy – Peasy! Morgen ist ein neuer Tag

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Die Südafrikaner sind für ihre Herzlichkeit und Offenheit bekannt. Ich kann dem nur zustimmen, ich erlebe es ebenfalls so. Doch diese Unbekümmertheit hat auch eine gewisse Oberflächlichkeit und Unverbindlichkeit zur Folge. Meine Erfahrungen habe ich vor allem bei den Real Estate (Immobilien) Agenturen gemacht, als ich eine Wohnung suchte. Beim ersten Kontakt versprechen sie dir, dass sie gleich ein paar Vorschläge schicken würden und dann hört man einfach nichts mehr. Oder dann erst nach über einer Woche, und da bin ich schon längst über alle Berge. Seltsam! Sind die nicht am Geschäft interessiert?

Meine erste Erfahrung auf dem Amt

Meine erste Erfahrung im Departement of Home Affaires (so was wie bei uns die Einwohnerkontrolle) war spannend und auch etwas stressig. Mein erster Eindruck war, dass dort ein ziemliches Chaos herrscht. Es wimmelte von Menschen, und es dauerte eine Weile, bis ich mich schlau gemacht habe. Da niemand wusste, wie sie in meinem Fall vorgehen sollten, wurde ich von Schalter zu Schalter geschickt. Eines sage ich Euch: Meine Geduld wurde sehr auf die Probe gestellt. Schlussendlich ging es dann doch zügig vorwärts.

Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber es glänzt auch nicht alles, was Gold ist!

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Dieses deutsche Sprichwort passt gut hierher. Dass Südafrika ein traumhaft schönes Land ist, muss ich hier ja wohl nicht mehr erwähnen. Aber die erste Euphorie ist vorbei und das ist auch gut so!  Abgesehen davon ist er nirgends nur perfekt oder nur schlecht. Man soll einfach gut abwägen und sich selber ein Urteil bilden; jedoch nicht alles durch die rosarote Brille betrachten. Das habe ich eh nie gemacht; doch werde ich den Verdacht nicht ganz los, dass gewisse „Kapstadtkenner“ genau das tun, wenn sie enthusiastisch nur über die Sonnenseite berichten und die Schattenseiten einfach weglassen.

Somit beende ich erstmal die Berichterstattung über mein momentanes Leben in Kapstadt. Das eine oder andere wird sich wohl schon noch darauf beziehen, weil ich ja noch da bin, dann aber eher so nebenbei.

uuuund tschüss – bis bald!

Katrin

 

 

 

 

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