Auswandern nach Südafrika

Die Auswanderer – Teil 1: Die Vorgeschichtewu969vrf32fmte80e3c1xkud.jpg

Wie alles begann und der Kreis schliesst sich.

Ich befinde mich mitten im Umbruch. Viel Altes habe ich losgelassen und das Neue klopft schon an der Tür. Nur – ich weiss noch nicht, in welche Richtung sich diese Tür öffnet. Meine Wohnung habe ich verkauft und spätestens Ende Februar muss ich draussen sein. Nun überlege ich mir ernsthaft, nach Südafrika auszuwandern. Südafrika  deshalb, weil ich auch noch den Südafrikanischen Pass habe. Ich war schon oft dort, habe jedoch nie dort gelebt. Den Pass habe ich deswegen, weil meine Grosseltern (Julia und Rudolph) in den 20er Jahren im letzten Jahrhundert ausgewandert sind und meine Mutter dort auf die Welt kam. Als sie 3 Jahre alt war, reisten die Grosseltern mit meiner Mutter jedoch wieder zurück in die Schweiz und kehrten nicht mehr zurück.

So habe ich die beiden in Erinnerung. Meine Grossmutter wirkte gegen aussen eher streng und resolut. Sie war ein magere, energische und willensstarke Frau. Mein Grossvater liess sie machen, er war eher bedächtig und auch künstlerisch begabt und vermutlich ihr ruhiger Pol. Wahrscheinlich haben sich die beiden bestens ergänzt. Mein Grossvater starb 1975 und die Grossmutter 1990. 

Der Grund, warum meine Grosseltern ausgewandert sind kenne ich nur vom hören sagen – es hat mit der Arbeit meines Grossvaters zu tun. Das ist hier auch gar nicht relevant. Vielmehr spannend ist die Tatsache, WIE sie ausgewandert sind und WIE sie in dem fremden Land gelebt haben. Ich finde, für die damalige Zeit war dieses Vorhaben sehr mutig. Heute sitzt man in den Flieger, ist ein Tag unterwegs und schwubs befindet man sich schon in der „anderen Welt“. Man kann sich das heute ohne Internet, Telefon, Handy kaum vorstellen. Das ist spunky – sprich mutig!

Mein Grossvater reiste alleine nach Südafrika um alles vor Ort zu erkundigen und vorzusondieren. In den Unterlagen habe ich eine Ansichtskarte gefunden, die er der Zwillingsschwester meiner Grossmutter noch vor der Abreise geschickt hat: Darin schreibt er ihr u.a. :

brief

eine neue Heimat zu gründen und für „??“ mein liebes Schatzi ein Heim zu bauen indem wir über Jahre glücklich beisammen Leben können. Auch ich will dem Mann stellen und mutig der Zukunft entgegengehen….“  Wenn ich das so lese fühle ich mich tatsächlich in eine andere Welt versetzt. Heute würde man so ganz salopp sagen, „dieser Mann hat Eier“ – aber eher nicht „er will dem Mann stellen“…

In den Unterlagen habe ich unzählige Briefe und Ansichtskarten aus Südafrika, die mein Grossvater nachträglich schön, säuberlich aufbewahrt hat. Zum Glück! Ja, damals hat man sich noch Briefe und Ansichtskarten geschrieben. Und dabei kann man im nachhinein noch etwas mitverfolgen, wie so ein „Auswander-Leben“ ausgesehen hat. Wäre die Kommunikation wie heute per e-mail oder sonst wie  digital gewesen, hätte ich nun sehr wahrscheinlich diese spannende Zeitdokumente nicht!

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Und ich hätte auch nicht den Pass. Wie es dazu kam, werde ich hier kurz schildern:
Im Dezember 2002 reisten mein damaliger Mann und ich zum erstem Mal nach Südafrika. Natürlich war die Geschichte meiner Grosseltern besonders präsent. Wir beide waren auch überwältigt von dem wunderbaren Land. Ich kann es nicht beschreiben, was es ist. Es klingt doof, aber es hat etwas verzaubert. Wie auch immer: Wir waren an der Gardenroute in Wilderness in einem wunderbaren Guesthouse am Indian Ocean. Im Schlafzimmer konnte man das Meer rauschen hören und tagsüber sah man in der Ferne Delphine! Wir blieben dort ca. 3 Tage. Nach dem letzten Abendessen in einem tollen Restaurant haben wir uns noch einen Schlumi genehmigt. Es war Vollmond und der Sternenhimmel war betörend. Ich war hin und weg. Ich erinnere mich, als ob es gestern war: ich sagte zu meinem Partner: …“und überhaupt: ich bin Südafrikanerin – ich werde den Pass kriegen“…. Seine Antwort: …“ich glaube es ist Zeit ins Bett zu gehen – du hast schon genug getrunken – du bist jetzt einfach ein wenig zu beschwipst…“.. War ich aber nicht. Im Gegenteil, ich war sehr klar im Kopf und ich WUSSTE, dass ich den Pass kriegen würde, habe aber nicht mehr darüber gesprochen. Wieder zu Hause habe ich als erste Aktion der Südafrikanischen Botschaft in Bern angerufen und geschildert wie es aussieht: Meine Mutter kam dort auf die Welt – sie selber hatte auch nie den Pass aber doch immerhin die Geburtsurkunde. Als Folge musste ich etliche Dokumente bei den Behörden beantragen. Wie auch immer: 6 Monate später hatte ich den Pass! Und der Kreis hat sich geschlossen und für mich hat sich eine neue Türe geöffnet. Bis jetzt bin ich zwar noch nicht durch sie gegangen, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Beim nächsten Teil wird es konkreter mit dem Auswandern…

Bis bald, Katrin

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Antworten auf “Auswandern nach Südafrika”

    1. jaa… das waren noch Zeiten. Ich werde in den folgenden Einträgen noch mehr dieser Postkarten zeigen, denn ich finde es auch spannend – ein Stück Zeitgeschichte 🙂

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